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Wie wird Raum+ angewendet?

Raum+-Ansatz

Die Übersicht entsteht in Zusammenwirkung mit den kantonalen und kommunalen Vertretern, die über das aktuelle und akkurateste Wissen zu den Flächen verfügen. Auf Basis von vorbereiteten Plänen finden in den Gemeinden Erhebungsgespräche statt, um bei den lokalen Vertretern die Einschätzung zu qualitativen Angaben der Flächen einzuholen. Wesentliches Instrument für die Erhebung ist eine EDV-basierte Plattform, die es erlaubt, die Informationen orts- und zeitunabhängig zusammenzustellen und regelmässig nachzuführen. Die so erarbeiteten Flächenübersichten dienen als sachliche Grundlage für weitere Planungen. Der methodische Ansatz von Raum+ basiert auf folgenden drei Säulen.

Kooperativ und dialogorientiert

kooperativ

Systematischer Einbezug des Wissens und der Einschätzung der lokalen Akteure

Sensibilisierung für die Thematik der Innenentwicklung

Möglichkeiten des Austauschs zwischen Kanton und Gemeinde abseits formaler Anlässe

Für die Erfassung der Siedlungsreserven im weitgehend überbauten Gebiet sind das Wissen und die Einschätzung der kommunalen Vertreter unabdingbar. Die Kenntnisse der lokalen Vertreter allerdings häufig nicht dokumentiert. Daher ist der persönliche Austausch mit den Zuständigen vor Ort (z.B. mit dem Baureferenten) für die Erstellung einer systematischen Übersicht unerlässlich. Neben den Ortskenntnissen der lokalen Behörden und Planer sowie deren Kooperation braucht es aber auch den unvoreingenommenen Blickwinkel von Externen, um sämtliche Siedlungsflächenreserven sachlich und einheitlich zu erfassen. Erfahrungen haben gezeigt, dass gerade die Kombination von lokalen Behörden und Planern, Kantonsvertretern und unabhängigen externen Fachleuten ein zentraler Punkt für das erfolgreiche Erstellen einer vergleichbaren sowie von allen Beteiligten getragenen Übersicht ist.

Dezentral und nachführungsfähig

dezentral

Einsatz eines internetbasierten Planugssystems

Zeit- und ortsunabhängiger Zugang zu den Daten

Möglichkeit der Verwendung für kommunale Planungszwecke

Die technische Grundlage für Raum+ ist der Einsatz eines dezentral zugänglichen, nachführungsfähigen und internetgestützten planerischen Informationssystems. Mit dieser Arbeitsplattform ist es möglich, das Abrufen und Pflegen der Übersicht über die Gesamtsiedlungsreserven zeit- und ortsunabhängig zu organisieren. Voraussetzung für die Nutzung ist lediglich ein Computer mit Internetzugang und Browser. Es bedarf keiner speziellen Software. Die Offenheit zu anderen Systemen ist eine wichtige Grundvoraussetzung, um bestehende Teilinformationen in die Raum+-Übersichten importieren und die erarbeitete Übersicht später exportieren zu können. Die Plattform ist nicht öffentlich und der Zugang erfolgt durch individuelle Passwörter. Die erarbeiteten Übersichten entsprechen jeweils einer Momentaufnahme. Um die Aktualität der Daten zu gewährleisten, bedarf es einer periodischen Nachführung, wie es die Raumplanungsverordnung vorsieht. Die Nachführungsfähigkeit ist daher einer der zentralen Punkte des Raum+-Ansatzes und wurde von Beginn an in der Konzeption des Vorhabens berücksichtigt.

Übersicht und Lagebeurteilung

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Einheitliche Betrachtung im überkommunalen Vergleich

Räumliche Strategieentwicklung differenziert und sachgerecht möglich

Generiert Handlungswissen im Bezug auf Verfügbarkeit und Mobilisierungshemmnisse

Der Raum+-Ansatz ermöglicht flächendeckende Auswertungen der Quantitäten und Qualitäten der vorhandenen Siedlungsreserven über politisch-administrative Grenzen hinweg und dadurch eine differenzierte und sachgerechte Lagebeurteilung der aktuellen Situation. Aufbauend auf den daraus resultierenden Erkenntnissen können in einem nächsten Schritt eine Strategie und konkrete Massnahmen für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung ausgearbeitet werden. Die Nachführung der Daten erlaubt zudem, Veränderungen über die Zeit zu beobachten, auszuwerten und die Wirksamkeit der Strategie und der Massnahmen zu überprüfen.

Ablauf der Erhebungen

Die Ermittlung der Siedlungsflächenreserven gemäss dem Ansatz Raum+ erfolgt in drei Phasen: Vorarbeiten, Erhebung und Nachbereitung. Diese Aufteilung dient dazu, einerseits aus den vorhandenen digitalen Daten eine solide Grundlage für die Erhebungsgespräche zu erarbeiten und andererseits den gesamten Aufwand insbesondere des Erhebungsgesprächs auf eine angemessene Zeitdauer zu reduzieren.

Vorarbeiten

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GIS-Analyse

Luftbildauswertung

Erhebungsplan

Auf Basis digitaler Datengrundlagen (Zonenpläne, Daten der amtlichen Vermessung und Orthofotos) ermittelt die wissenschaftliche Bearbeitungsgruppe mögliche Siedlungsflächenreserven. In einem ersten Schritt wird eine automatische Auswertung in einem geografischen Informationssystem durchgeführt (GIS-Analyse). Anschliessend werden die Flächen anhand von Luftbildern verifiziert (Luftbildauswertung). Ein Teil der Merkmale (z.B. Nutzungszone, Naturgefahren) können den Flächen auf Basis digitaler Daten bereits in dieser Phase zugewiesen werden. Abgeschlossen werden die Vorarbeiten mit dem Import der georeferenzierten Flächen in die Arbeitsplattform. Als Diskussionsgrundlage für die Erhebungsgespräche werden Pläne mit den möglichen Siedlungsflächenreserven vorbereitet.

Erhebung

Erhebung

Simultane Erfassung der Informationen in der Plattform

Mit der vorbereiteten Arbeitsplattform und den Plänen finden die Erhebungen in den Gemeinden statt. Im Zug der Erhebungsgespräche werden die vorerhobenen Flächen auf ihre Richtigkeit überprüft, allenfalls korrigiert und mit zusätzlichen Informationen ergänzt, die nur durch das Gespräch mit den lokalen Gemeindevertretern erfassbar sind (z.B. Einschätzung der Nachfrage). Ebenfalls werden nicht vorerfasste zusätzliche Flächenpotenziale diskutiert, welche meist nur dank den Ortskenntnissen der lokalen Vertreter erfasst werden können (Brachflächen, nicht mehr benötigte Bahnareale, unternutzte Flächen etc.). Die Informationen zu den einzelnen Flächen werden während des Gesprächs laufend in der Plattform protokolliert. Ein Erhebungsgespräch dauert je nach Gemeindegrösse 1 bis 3 Stunden.

Nachbereitung und Auswertung

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Regionsspezifische Auswertungen

In der dritten Phase führen die Erhebenden eine Qualitätskontrolle der Daten durch. Hierbei werden die Daten auf ihre Vollständigkeit und Plausibilität geprüft und gegebenenfalls ergänzt oder korrigiert. Nach der Qualitätskontrolle wird die Plattform für die Gemeinden und den Kanton geöffnet. Zudem werden die Daten quantitativ, qualitativ und räumlich ausgewertet.

Definition Flächenreserven

Mit dem Ansatz Raum+ werden die in den rechtskräftigen Bauzonen liegenden Siedlungsflächenreserven erfasst, welche eine Mindestgrösse von 200 m2 aufweisen. Die Flächen lassen sich in drei unterschiedliche Kategorien einteilen: Baulücken, Innenentwicklungspotenziale und Aussenreserven. Die Einteilung dient im Wesentlichen dem gezielten Abfragen von Informationen, deren Kenntnis für die Entwicklung der jeweiligen Fläche massgebend ist. Grundsätzlich werden für die drei Flächenkategorien Baulücken, Innenentwicklungspotenziale und Aussenreserven dieselben Informationen erfasst. Allerdings gibt es gewisse Merkmale, welche in der Regel nicht für alle drei Kategorien massgebend sind, denn der planerische Aufwand zur Mobilisierung eines Potenzials unterscheidet sich je nach Grösse, Bebauungsstand und Lage.

flächenman
Prinzipskizze der Flächenkategorien
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Flächenkategorien und typische Merkmale

Innenentwicklungspotenziale (IE)

Grössere und teilweise bereits bebaute Flächen innerhalb des weitgehend überbauten Gebiets (Innenentwicklungspotenziale) weisen hingegen häufig komplexere Problemlagen auf und bedürfen planerischer Vorbereitungsschritte. Dem trägt Raum+ mit der Erfassung weiterer Informationen wie der Altlastensituation oder des Planungsstands Rechnung.

Innenentwicklung
Typische Innenentwicklung

Baulücken (BL)

Einzelbauplätze (Baulücken) sind in der Regel baureif. Daher reichen Informationen zum Eigentümertyp, zum Eigentümerinteresse an der Entwicklung der Fläche sowie zur Nachfragesituation in der Regel aus, um eventuelle Entwicklungshindernisse festzustellen.

Baulücken
Typische Baulücke (Bauplatz)

Aussenreserven (AR)

Grössere unbebaute Flächen ausserhalb des weitgehend überbauten Gebiets (Aussenreserven) sind im Vergleich zu bebauten Potenzialen in der Regel mit geringerem Aufwand entwickelbar. Bei diesen Flächen muss jedoch davon ausgegangen werden, dass die Erschliessung nicht vollständig vorhanden ist

Aussenreserven
Unbebaute Bauzonenfläche im Aussenbereich





Nachverdichtungsquartiere

Als vierte Kategorie erfasst werden Wohngebiete/-quartiere, in denen Massnahmen der Verdichtung denkbar sind. Diese Flächenkategorie wird als Nachverdichtungsquartiere bezeichnet und in Absprache mit den Gemeindevertretern erhoben. Im Unterschied zu den ersten drei Flächenkategorien sind für die Aktivierung der Nachverdichtungspotenziale andere Informationen massgebend. Daher werden Informationen zu Gebäudeart, Alter und Zustand der Bebauung, zu den Eigentumsverhältnissen, der Bereitschaft zur Nachverdichtung sowie dem Planungshorizont im Gespräch mit den lokalen Akteuren aufgenommen.

Nachverdichtungsquartiere
Wohnquartier mit Erneuerungs– und Verdichtungspotenzial

Die Plattform

Technischer Hauptbestandteil von Raum+ ist der Einsatz eines internetbasierten planerischen Informationssystems (PIS), der sogenannten Raum+-Plattform, mit dessen Hilfe die Übersichten der vorhandenen Siedlungsflächenpotenziale erstellt werden. Im Gegensatz zu gängigen Raumbeobachtungssystemen ermöglicht das PIS, neben der Quantität und der räumlichen Verteilung, auch qualitative Aspekte einzelner Flächen wie z.B. die Eigentümerbereitschaft oder die zeitliche Verfügbarkeit mit einzubeziehen. Die in den letzten Jahren weiterentwickelte und erprobte Technik der Raum+-Plattform ist so konzipiert, dass die Vertreter der Gemeinden und Kantone unabhängig damit arbeiten können. Die Daten können von den zugriffsberechtigten Nutzern übers Internet immer und überall abgerufen und bearbeitet werden, sind aber passwortgeschützt. Die Zugriffsrechte (Daten lesen, verändern etc.) je Nutzer sind variabel. Damit die Daten in anderen Programmen (z.B. GIS) verwendet werden können, sind Exporte (xls, dxf, shp) aus der Plattform möglich. Die Nachführungsfähigkeit der Daten gewährleistet, dass die Daten aktuell sowie interkommunal und regional vergleichbar bleiben und ermöglicht, Veränderungen im Lauf der Zeit festzustellen.